FM-ARENA – networking FM people
Themenabend "Megatrends im FM"
H.P. Huber begrüsst die zahlreichen Gäste
Herr Roos, nach diesem spannenden Vortrag hätten wir dennoch ein paar Fragen an Sie:
Sie sprechen in Ihrem Vortrag von verschiedenen Energieträgern. Nämlich von Erdöl, Sonnenenergie und Strom.
Georges T. Roos:
Zum Thema Erdöl warnen Sie mit einem Zitat von Fatih Birol, dass wir dass Öl verlassen müssen, bevor es uns verlässt. Was ist hier der Trend? Ich denke da vor allem an Treib- und Heizstoffe, sowie für die Technik benötigten Produkte wie Kunststoffrohre ect.
Ich halte es für einen Blödsinn, dass wir den kostbaren Rohstoff Erdöl verbrennen – in Motoren und in Heizungen. Dies schafft Umweltverschmutzung, setzt uns geopolitischen Drücken aus und unterwirft uns einem äusserst volatilen Preisverlauf. Wenn wir Erdöl nicht einfach verheizen, ist noch für Jahrhunderte genügend da für veredelte Produkte, die auf Erdölbasis hergestellt werden.
Der Trend zu Strom als saubere Energiequelle ist erfreulich und gleichzeitig ein Weg in eine zukünftige Energieknappheit, denn ohne zusätzliche AKWs werden wir die zukünftigen Anforderungen nicht meistern können. Das Problem ist die Akzeptanz. Wie sind hier die Megatrends?
Georges T. Roos:
In der Tat scheint mir als Übergangslösung zusätzliche AKWs unvermeidbar. Die Risiken und Abhängigkeiten dieser Energiequelle halte ich im Vergleich zu Erdöl oder Kohle für vertretbar. Ich glaube aber, dass wir in 25 Jahren feststellen werden, dass die heutigen Prognosen zum Anteil erneuerbare Energien in einem künftigen Energiemix viel zu pessimistisch waren. Wie immer stellen sich die meisten die Zukunft als „ein bisschen mehr vom selben“ vor. Unbeachtet bleibt bei dieser Denkweise zur Zukunft, dass es „Tipping Points“ gibt: Wo eine Trendrichtung wendet oder exponential beschleunigt. Bei den erneuerbaren Energien erwarte ich in den nächsten 10 Jahren einen solchen Tipping Point.
Was sind die Herausforderungen bezüglich der Gebäudetechnik und Anpassbarkeit der Gebäude?
Georges T. Roos:
Ich schicke voraus, dass ich kein Baufachmann bin. Meine These ist, dass der Lebenszyklus eines Gebäudes mit der beschleunigten Lebens- und Arbeitsweise unserer Wirtschaft und Gesellschaft eklatant asynchron verläuft. Die Halbwertszeit von Wissen, Erfahrung, sozialen Strukturen wird immer kürzer. Was ist ein 20 Jahren ein Arbeitsplatz? Was eine Familie? Die rasante Veränderung verlangt entweder kürzere Lebenszyklen von Gebäuden oder eine von Grund auf mitgedachte Veränderbarkeit.
FM und Gebäudetechnik, die beiden Bereiche gehören ja eng zusammen. Mit was muss gerade dieser Bereich für die Zukunft rechnen?
Georges T. Roos:
Das Sonnenzeitalter ist näher als wir denken. Dabei benutze ich den Begriff „Sonne“ als Symbol für erneuerbare Energie ganz allgemein. Es wird nicht eine einzige Grosstechnologie sein, sondern hunderte von Energiequellen. Ein Beispiel ist für mich die Disco „WATT“ in Rotterdam: Die Schwingungen des Tanzbodens werden zur Energiegewinnung genutzt. Die Bewegung des Menschen reicht aus, sein Handy zu laden. Das Stichwort für solche Ideen heisst „Energy Harvesting“.
In ihrem Vortrag erwähnen sie den Solarpark, welcher in Afrika erstellt Europa Strom liefern soll. Eine Form von Kolonialisierung?
Georges T. Roos:
Desertech, so heisst das Projekt des grössten Solarparks in der Sahara, für das unter der Leitung der Münchner Rück ein Konsortium gebildet wird, soll in erster Linie Strom für Afrika liefern. Zudem soll Desertech 15 % des europäischen Strombedarfs decken. Ich halte das für eine Win-Win-Situation und eine grosse Chance für den afrikanischen Kontinent.
Was ist mit den Abhängigkeit von anderen Regionen?
Georges T. Roos:
Ich bin kein Anti-Globalisierer. Wirtschaftliche Verflechtungen können segenreich für alle beteiligten Länder ausgestaltet werden. Wenn Sie schauen, was die Globalisierung in den letzten 30 Jahren für die menschliche Entwicklung global geschafft hat, dann sehen sie sehr viele Gewinner. Abgestiegen sind vor allem jene Länder, die in Kriege und Bürgerkriege verwickelt sind. Ich glaube, wir im Westen sollten aufhören uns in Schuldkomplexe zu verstricken. „Bad Governance“ ist das wirkliche Gift in den Entwicklungsländern.
Sie sagen in Ihrem Vortrag dass die technische Beschleunigung eigentlich uns helfen sollen die Dinge schneller zu erledigen. Persönlich entsteht aber der Eindruck dass die Leute gestresster sind. Sind wir Menschen überhaupt fähig mit dieser Beschleunigung umzugehen? Kommt es irgendwann zur einer Verweigerung der Technik?
Georges T. Roos:
Was wir durch technologische Neuerungen an Zeitgewinn realisieren könnten, fressen wir gleich wieder auf, weil wir mehr Dinge tun, weiter reisen, häufiger kommunizieren. Schuld ist also nicht die Technik, sondern unser unangepasste kulturelle Umgang damit. Ich möchte aber nicht verschweigen, dass insbesondere die Informations- und Kommunikationstechnologie noch nicht da ist, wo sie sein sollte. Statt dass sie uns hilft, Dinge leichter zu tun, hat sie uns zusätzliche Aufgaben und Probleme beschert: Datensicherheit, Cyber-Kriminalität, Abstürze usw. zeigen, dass die ICT noch nicht wirklich benutzerfreundlich ist.
Zeit ist Geld. Ist dies ein falscher Wert unserer Gesellschaft?
Georges T. Roos:
Das ist eine philosophische Frage. Historisch scheint er mir notwendig zu sein, seit unsere Gesellschaft von der Subsistenzwirtschaft zur arbeitsteiligen Wirtschaft übergegangen ist. Aber in gewisser Hinsicht haben wir die Gleichung „Zeit=Geld“ pervertiert.
Wie kann es sein dass Werte wie Gesundheit und Nachhaltigkeit an Bedeutung gewinnt? Wenn ich mich auf den Strassen von Zürich umsehe, sehe ich nur Stress und viele Menschen die den Fokus auf das sofort legen?
Georges T. Roos:
Darin sehe ich keinen Widerspruch – im Gegenteil: Je mehr uns etwas fehlt, das wir tief in uns möchten, desto grösser wird die Sehnsucht danach.
Vielen Dank Herr Roos, dass Sie sich für die Fragen Zeit genommen haben.
Link zur Präsentation im PDF Format (nur für Mitglieder)
Der Vortrag löste Diskussionen aus.
Datum:
Donnerstag, 28. Januar 2010
Ort:
Konferenzzentrum Walcheturm, Stampfenbachplatz, 8001 Zürich
Anmeldeschluss:
Donnerstag, 14. Januar 2010
Programm:
16.15 - 16.35 Uhr
Eintreffen der Teilnehmer im Konferenzzentrum
16.35 - 16.40 Uhr
Begrüssung durch Remo Schällibaum, Präsident der FM-ARENA
16.40 - 17.30 Uhr
Referat von Georges T. Roos
Georges T. Roos beschäftigt sich professionell mit den strategischen Zukunftsherausforderungen von Unternehmen und Organisationen. Er ist der führende Zukunftsforscher der Schweiz, bekannt als inspirierender Vortragsredner zu Megatrends, Wertewandel und strategischer Zukunftsfitness.
Georges T. Roos ist Gründer und Leiter des privaten Zukunfts-Think-Thanks ROOS Büro für kulturelle Innovation. Überdies ist er Gründer und Direktor der European Futurists Conference Lucerne und Mitglied des Vorstandes von swissfuture – Schweizerische Vereinigung für Zukunftsforschung.
Zuvor war er Mitglied der Geschäftsleitung des Gottlieb Duttweiler Instituts in Rüschlikon. Er hat an der Universität Zürich das Lizenziat der Philosophischen Fakultät I erlangt.
Referat
Wie können wir wissen, was morgen ist? Der beschleunigte Wandel von Wirtschaft, Technologie und Gesellschaft macht die Planung der Zukunft immer schwieriger. Doch unter der Oberfläche des Wandels lassen sich klare Megatrends ausmachen. Megatrends sind tiefgreifende strukturelle Verschiebungen und keine Moden. Sie sind eine Art Landkarte der Zukunft.
Ihre Lernerfahrung
Erfahren Sie, weshalb wir uns über die Zukunft meistens irren. Georges T. Roos hilft Ihnen, die zentralen Megatrends zu verstehen, welche unsere Arbeitswelt und Immobilien in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren prägen werden. Er fordert Sie heraus, sich mit den zukünftigen Ansprüchen im Facility Management auseinanderzusetzen.
17.30 - 18.00 Uhr
Diskussionsrunde
Anschliessend
Apéro / Ausklang
Informationen:
Mit den öffentlichen Verkehrsmittel:
Tram:
Ab Zürich HB / Bahnhofquai
Tram 11 (Richtung Auzelg) oder 14 (Richtung Seebach) bis Stampfenbachplatz
Mit dem Auto:
Parkplätze:
Gebührenpflichtige Parkplätze an der Stampfenbachstrasse;
Nach Möglichkeit bitte die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen.
Situationsplan:
KW
Konferenzzentrum Walcheturm
Stampfenbachplatz
CH-8001 Zürich
Kosten:
CHF 90.00 pro Teilnehmer / Teilnehmerin
CHF 50.00 pro Teilnehmer / Teilnehmerin (FM-ARENA Mitglied)
Sponsor: